Wie ein magischer Moment mir die Angst nahm

Jul 12, 2017 | Alltagsreflexionen | 10 Kommentare

Vielleicht kennst Du das ja auch: Du hast Angst und plötzlich geschieht etwas Magisches, was die Angst in den Hintergrund treten lässt.
So ging es mir vergangene Woche und weil es mich so berührt hat, möchte ich sehr gerne davon erzählen:
Da es bei uns den ganzen Tag über sehr heiß gewesen war, beschlossen mein Mann und ich erst zu dessen Ende hin noch einen Waldspaziergang zu machen. Wir konnten den Mond sehen, der schon fast voll war und freuten uns über diese wunderschöne Abendstimmung.
Plötzlich ging alles sehr schnell:
Ein Gewitter zog auf. Wir befanden uns mitten im Wald – noch etwa zwei Kilometer von Zuhause entfernt. Wir entschieden uns dagegen uns irgendwo unterzustellen und gingen weiter, während der Himmel seine Schleusen öffnete und es wie aus Kübeln auf uns herab regnen ließ. In Sekundenschnelle waren wir klatschnass. Immer wieder zuckten Blitze auf, kurz gefolgt vom Donner. Es wirkte sehr bedrohlich, geradezu unheimlich

 

Ich habe großen Respekt vor solchen Naturgewalten und innerlich bat ich um Unterstützung.

Die folgte kurz darauf:

Glühwürmchen. Sie flogen trotz des Unwetters, als wollten sie uns den Weg erhellen.
Das war so magisch, dass ich alle Angst vergaß.
Stell Dir das Bild vor: Ein dunkler Wald, über Dir Blitz und Donner und dann leuchten Dir diese kleinen magischen Glühwürmchen den Weg.
Das Gewitter hatte um uns einen Bogen gemacht, um dann mit voller Wucht zurückzukommen, nachdem wir wieder zu Hause waren.
Ich war und bin voller Glück und Dankbarkeit.

In dieser Nacht konnte ich lange nicht einschlafen und unzählige Gedanken schwirrten mir durch den Kopf:

 

Wie kann ich diese beispielhafte Erfahrung nutzen und kreativ mit Herausforderungen umgehen?
Wie kann ich magische Momente in den Alltag holen und dadurch den Zwangskreislauf der Ängste und Zweifel unterbrechen?

Natürlich: Ängste und Zweifel haben durchaus ihre Berechtigung, wollen sie uns doch oft warnen und schützen. Werden sie jedoch zu groß, dann lähmen sie uns und machen uns handlungsunfähig.
Energie folgt der Aufmerksamkeit: Das bedeutet, wenn ich meinen Fokus überwiegend auf meine „Probleme“ richte, erhalten sie viel Aufmerksamkeit und werden weiter wachsen.

 

Was kann ich also tun?

Zunächst werde ich mir der Zweifel und Ängste bewusst, die in mir aufsteigen. Alles darf sein, ich muss nichts unterdrücken. Doch ich kann innerlich einen Schritt zurückgehen und überlegen: Wie kann ich trotz allem gut für mich sorgen?
Vielleicht kann es hilfreich sein, mit den Ängsten oder Zweifeln zu sprechen: „Ich sehe Dich und ich danke Dir für Deine gute Absicht. Ich werde mich Dir wieder zuwenden, wenn ich das für mich Wichtige getan habe…“
Wenn ich im Widerstand bin, die Ängste nicht haben will, halte ich fest und verwende unnötige Energie darauf. Oft wird die Angst jedoch schon kleiner, wenn ich sie liebevoll annehme. Nun kann ich schauen, worauf ich den Fokus legen will. Mit meinen Gedanken entscheide ich mich, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Ich kann immer Gestalter sein.

Hier kommen wieder die magischen Momente ins Spiel, die mich unterstützen können und durch die ich Leichtigkeit erfahren kann: Wenn ich darauf achte, kann ich die Magie im Alltag erkennen. Mir persönlich hilft dabei, die Welt noch einmal mit den Augen eines Kindes zu sehen – voller Neugierde und Staunen.
Da ist die große Pfütze auf dem Waldweg, wo sich jeden Tag drei kleine Frösche tummeln. Die meisten Menschen sehen sie nicht, weil sie sich still verhalten, sobald sie eine Erschütterung spüren oder rechtzeitig an den Rand ins hohe Gras hüpfen.
Da ist das Froschkonzert in dem kleinen und nur im Frühjahr bestehenden Wiesenweiher, darüber fliegen wunderschöne Libellen.
Da sind die Regentropfen an einem Grashalm, die uralten massiven Bäume, das Vogelgezwitscher am Morgen….
Genauso magisch können ansonsten weniger magische Orte sein, Baustellen etwa: Hast Du schon einmal einen Kran „singen“ gehört, wenn am Abend der Wind weht? Das klingt ein wenig nach Sirenengesang.


Auch der dort tagenden Vogelversammlung zu lauschen verleiht ihr einen ganz eigenen Zauber:

Magische Momente in der Natur zu entdecken fällt mir nicht schwer, doch auch zu Hause kann ich einiges tun: Ich nehme mir zwischendurch kleine Auszeiten in meinem Klangraum, spiele mit dem Monochord oder den Klangschalen und lausche dabei den verschiedenen Obertönen.
Auch kleine Rituale können hilfreich sein – Kerzenschein, Räuchern, schöne Musik… Es gibt viele Möglichkeiten und so kann ich hier meiner Kreativität freien Lauf lassen.
Auch einen „Glücksstein“ habe ich zum Beispiel, den ich in unserem Wald gefunden habe: Durch seine schönen rot-orangen Farben hatte er mich angezogen. Wenn ich vor einer Entscheidung stehe, nehme ich ihn immer in die Hand oder trage ihn in meiner Hosentasche.

Wenn ich mich öffne und dem Leben vertraue, können Wunder geschehen.

 

Abschließend und weil es so schön passt möchte ich noch von einem zwar schon älteren, aber nicht minder bedeutsamen magischen Erlebnis berichten:

Vor reichlich sieben Jahren war ich auf dem Weg nach Rosenheim zu einer Fortbildung. Es hatte geschneit und die Straßen waren sehr glatt. Nach einer Kurve bergab kam ich plötzlich ins Rutschen und geriet auf die Gegenfahrbahn. Zwei Autos kamen mir entgegen – das erste schaffte es noch an mir vorbei und so schlitterte ich genau zwischen beiden hindurch, ohne eines davon zu berühren. Dabei drehte sich mein Auto und näherte sich mehreren großen Bäumen, kam jedoch kurz davor gerade so zum Stehen: Abseits der Straße, auf zugeschneiter Wiese und wenige Zentimeter von den Bäumen entfernt – an einer Stelle mit nur einem ganz kurzen flachen Abschnitt, davor und danach ging es einen Abhang hinunter.
Ich war überglücklich, dass niemandem etwas passiert ist und ich ohne Hilfe meine Fahrt fortsetzen konnte.
Was für Geschenke doch das Leben oft für uns bereithält.

Welche magischen Momente haben Dich verzaubert?

 

 

 

10 Kommentare

  1. Nachdem ich über 2 Jahre lang von einer depressiven Episode in die andere schlitterte, mich in dieser Zeit von meinem Mann trennte und die Arbeit verlor, hatte mich mein Lebensmut verlassen. Ich konnte keine Freude mehr empfinden und lebte nur noch, weil ich meine Kinder eine Mutter brauchten.
    Zuerst lehnte ich die von der Ärztin vorgeschlagene Elektrokrampftherapie ab. Das entsprach gar nicht meiner Art, ich bevorzuge eher sanfte Heilmethoden. Mangels Alternativen sagte ich dann doch zu. Nun habe ich die Therapie hinter mir und bin überglücklich, dass es mir endlich wieder gut geht. Ich kann mich am Leben freuen, mit meinen Kindern Spass haben. Es ist, wie wenn ich ein zweites Leben geschenkt bekommen habe. Ich bin zutiefst dankbar dafür.

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    • Liebe Regina,
      Deine Antwort berührt mich sehr.
      Es ist so schön, wenn man aus der Dunkelheit heraustreten und das Licht erkennen kann.
      Das sind wirklich wunderbare, magische Momente.
      Danke für Dein Teilen.
      Herzlichst,
      Sabine

      Antworten
  2. Danke, liebe Sabine für deine schönen Artikel. Ich lese sie immer gerne, denn meist trifft es genau den Punkt, den ich im Moment brauche….das sind magische Momente für mich….

    Antworten
    • Liebe Barbara,
      hab vielen Dank für Deine Rückmeldung – ich freue mich riesig darüber.
      Für mich wird es ein magischer Moment sein, wenn ich das erste Mal bei Dir an einem Spinnrad sitze. Das steht zumindest auf meiner Löffelliste.
      Herzlichst,
      Sabine

      Antworten
  3. Liebe Sabine,
    Vielen Dank für deinen schönen Artikel! Für mich war gestern so ein Moment, wo mir viele Menschen durch ihrer Taten zeigten, dass ich etwas Wertvolles geschaffen hatte und damit meinen Kritiker friedlich zum Schweigen brachten, der so lange in mir sein Unwesen trieb.
    Oder am Sonntag, als ich das Video der Aufräumaktiin in der Schanze in Hamburg sah. Magisch, weil nach so schweren Tagen die Herzen der Menschen es geschafft haben, über alles hinweg weiter zu strahlen,

    Es wird eben doch jeder Winter zum Frühling.

    Alles Liebe
    Maike

    Antworten
    • Liebe Maike,
      Danke für die wunderbare Ergänzung.
      Magische Momente sind überall, wenn wir uns öffnen.
      Für mich waren es magische Momente, als ich Dein Buch und Deine Karten das erste Mal in den Händen hielt.
      Du hast so unglaubliche Talente. Danke dafür.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

      Antworten
  4. Liebe Sabine,
    vielen Dank für diesen Artikel. Ja es gibt sie, diese magischen Momente. Jeden Tag. Wir müssen uns nur öffnen und danach fragen. Für mich war z.B so ein magischer Moment, als wir unseren SAMMY gefunden und abgeholt haben.
    Alles Liebe dir, Gabriela

    Antworten
    • Liebe Gabriela,
      vielen, lieben Dank für deinen Kommentar.
      Sicher werdet Ihr mit Eurem Sammy noch viele magische Momente erleben.
      Er schaut auf den Fotos so lieb aus, da geht einem richtig das Herz auf.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

      Antworten
  5. Das ist so schön liebe Sabine.
    Ich denke ganz oft an einen sehr magischen Moment. ?
    Eines Tages bei einer Therapisitzung, ich weiß nicht warum, drehte meinen Sessel zum Fenster, obwohl ich bei einer Meditation die Augen geschlossen habe. Die Therapeutin begann mit der Meditation und klopfte im Takt tock..tack..tock..tack..vor dem Fenster im Wald zwitscherten die Vögel.
    Plötzlich vor mir der blaue Himmel, eine sehr große schneeweiße Wolke, aus der streckten sich plötzlich zwei große starke Hände liebevoll mir entgegen. Ich legte meine Hände hinein die in diesem Moment wie Kinderhände aussahen, und fühlte mich sofort so warm und geborgen, beschützt und geliebt, wie nie zuvor in meinem Leben. Es war unbeschreiblich und viel bedrückendes was ich Jahre mit mir herrumschleppte viel in diesem Moment von mir ab.
    Für mich war in diesem Moment klar diese Hände gehörten zu Gott, der unser aller Vater ist, und der mir zeigen wollte das ich geliebt werde und keine Angst haben brauche. Das ich es wehrt bin das man mich liebt und für mich da ist. <3 Ich kann nicht in Worte fassen wie das für mich war. Ein unheimlich schöner magischer Moment an den ich oft denken muß und der besondets deutlich wird wenn ich mich traurig , ängstlich oder unsicher fühle.
    Du liebe Sabine, bist übrigens die 1. Person der ich das nun erzählt habe. Denn ich weis das Du so etwas verstehst. <3
    Danke für Deine Freundschaft <3 sie ist mir sehr wichtig <3
    Herzlichst,
    Erika

    Antworten
    • Liebe Erika,
      vielen Dank für das Teilen Deines wunderbaren Erlebnisses. Da habe ich gerade eine Gänsehaut. Das sind die wunderschönen magischen Momente, die sich zeigen wenn wir offen dafür sind.
      Sie können uns auf unserem Weg unterstützen.
      Liebe Erika, ich bin auch sehr dankbar für unsere Freundschaft.
      Fühl Dich ganz lieb umarmt.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

      Antworten

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